Darf ich in Deutschland einen Rechtslenker fahren?

 

Darf ich in Deutschland einen Rechtslenker fahren? Und vorweg: Darf ich einen Rechtslenker in Deutschland überhaupt kaufen und zulassen? All diese Fragen stellen sich Autobesitzer, die beispielsweise einen in England hergestellten Oldtimer erwerben und nun in Deutschland fahren möchten. Aber auch Familien, die von einem Land mit Linksverkehr nach Deutschland ziehen und Ihr geliebtes Familienauto mitnehmen möchten, plagen diese Fragen. Wir geben in diesem Beitrag – gewohnt knapp und verständlich – Antworten auf Fragen rund um Rechtslenker in Deutschland.

 

 

Auf welcher Seite befindet sich das Lenkrad in Deutschland?

Das Lenkrad befindet sich in Deutschland bei den allermeisten (Straßen-)Fahrzeugen auf der linken Seite. Hintergrund ist, dass der Fahrer zur Straßenmitte hin sitzen soll, um die Straße besser überblicken zu können und auch Abstände zu Fahrzeugen im Gegenverkehr besser einschätzen zu können. Für bestimmte Fahrzeuge ist jedoch ein Lenkrad auf der rechten Seite auch in Deutschland zweckmäßiger. Das gilt insbesondere für Kehrmaschinen, da der Fahrer den Straßenrand beim Säubern der Fahrbahn möglichst exakt abfahren soll und er hierfür den nötigen Überblick auf der rechten Seite braucht. Auch für gehbehinderte Menschen bieten sich oft Rechtslenker an, da sie durch diese Bauweise sicherer direkt auf der Seite des Bürgersteigs aus dem Fahrzeug aussteigen können.

 

Sind deutsche Autos Links- oder Rechtslenker?

Deutsche Autos sind Linkslenker, da sich das Lenkrad im Regelfall auf der linken Seite des Fahrzeugs befindet. Im deutschen Rechtsverkehr wird diese Zuordnung – wie oben gezeigt – aus verschiedenen Gründen als vorteilhaft erachtet. In Ländern mit Linksverkehr befindet sich das Lenkrad aus denselben Gründen bei fast allen Fahrzeugen auf der rechten Seite. Diese Fahrzeuge werden dementsprechend Rechtslenker genannt.

 

Darf ich in Deutschland einen Rechtslenker fahren?
Wenn Fahrzeuge in Ländern mit Linksverkehr hergestellt werden, handelt es sich meist um Rechtslenker wie bei diesem Oldtimer.

 

Rechtslenker in Deutschland kaufen – geht das?

Es mag gute Gründe geben, auch in Deutschland einen Rechtslenker zu kaufen. Besonders bei Oldtimern sind Rechtslenker oft günstiger, da sie im deutschen Rechtsverkehr einfach nicht so nachgefragt sind wie Linkslenker und eine Umrüstung eine sehr teure Angelegenheit darstellt. Doch ist es überhaupt erlaubt, in Deutschland einen Rechtslenker zu kaufen? Die Antwort lautet „Ja“. Denn es gibt in Deutschland keine Vorschrift, die nur den Kauf von Linkslenkern erlaubt bzw. den Kauf von Rechtslenkern verbietet. Sie können also unproblematisch auch in Deutschland einen Rechtslenker kaufen, wenn Sie das wollen, ganz egal aus welchen Gründen.

 

Kann ich einen Rechtslenker in Deutschland zulassen?

Ja. Sie dürfen einen Rechtslenker in Deutschland nicht nur nach Belieben kaufen, sondern können das Rechtslenker-Auto hierzulande auch zulassen. Gleiches gilt im Übrigen auch für andere EU-Staaten mit Rechtsverkehr. Denn der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Jahr 2014 genau hierzu ein wegweisendes Urteil gefällt. Hintergrund des Urteils war ein Verbot der Zulassung von Rechtslenkern bei Neuwagen bzw. eine Pflicht zur Umrüstung von Rechtslenkern bei Gebrauchtwagen, die zum damaligen Zeitpunkt in den EU-Staaten Polen und Litauen galt. Der EuGH kippte dieses Verbot, da es gegen das Verbot von Einfuhrbeschränkungen aus Art. 34 AEUV verstoße.

 

Im Einzelnen führte das Gericht dazu wie folgt aus:

„Ein Mitgliedstaat verstößt dadurch gegen seine Verpflichtungen […] dass er die Zulassung von neuen oder zuvor in anderen Mitgliedstaaten zugelassenen Personenkraftwagen, deren Lenkanlage sich auf derselben Seite wie die Verkehrsrichtung befindet, auf seinem Staatsgebiet von der Versetzung des Lenkrads auf die andere Seite abhängig macht.

[…]Jedoch können diese Bestimmungen keine grundlegenden Elemente der Konstruktion des Fahrzeugs wie die Position des Lenkrads betreffen, sondern lediglich andere Punkte wie die Beleuchtungseinrichtungen und die Scheibenwischer oder die Einrichtungen für indirekte Sicht. Die Änderungen, die vorgeschrieben werden können, dürfen sich nämlich nicht auf die Versetzung des Fahrerplatzes beziehen, was einen substanziellen Eingriff in die Konstruktion des Fahrzeugs darstellen würde, der dem Wortlaut und dem Ziel der Richtlinie 70/311 zuwiderliefe, sondern nur auf geringfügigere Eingriffe.“

(vgl. EuGH, Urteil vom 20.03.2014 – C-639/11, C-61/12, Rn. 57-59)

 

Im Ergebnis darf die Zulassung von Rechtslenkern somit weder in Deutschland noch in einem anderen EU-Staat mit Rechtsverkehr untersagt werden. Ebenso verstößt auch eine Pflicht zur Umrüstung von Rechtslenkern gegen das Unionsrecht und ist somit nicht erlaubt.

 

 

Tipp: Wenn Sie sich auch für die Frage interessieren, ob die Polizei ein Auto durchsuchen darf, dann klicken Sie sich gerne mal rein. 

 

 

Darf man einen Rechtslenker in Deutschland fahren?

Ja. Wie der Europäische Gerichtshof bereits im Jahr 2014 entschieden hat, müssen auch Rechtslenker in Ländern mit Rechtsverkehr zugelassen werden können (vgl. EuGH, Urteil vom 20.03.2014 – C-639/11, C-61/12, Rn. 57-59). Eine Zulassung, ohne dass Sie das Fahrzeug auch fahren dürfen, wäre jedoch sinnlos und würde dem Tenor des Urteils, der im Verbot einer Zulassung einen Verstoß gegen das Unionsrecht rügt, zuwiderlaufen. Sie dürfen einen Rechtslenker in Deutschland auch offiziell fahren! Allerdings müssen Sie geringfügige Modifikationen vornehmen (lassen) und insbesondere die Frontscheinwerfer so anpassen (lassen), dass vor allem entgegenkommende Fahrzeuge nicht geblendet werden und der rechte Fahrbahnrand ausreichend ausgeleuchtet wird.

Wie sich ein Rechtslenker in Deutschland fährt, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Ein bisschen Vorsicht und Übung im Umgang mit unbekannten Situationen (Überholen, Abbiegen, Parkautomaten auf der „falschen“ Fensterseite, etc.) sollten Sie jedenfalls einplanen.

 

Was ist bei einem Rechtslenker Auto mit der Versicherung?

Es ergeben sich im Regelfall versicherungstechnisch keine Besonderheiten. Die Kfz-Versicherung wird einen Rechtslenker grundsätzlich genau so versichern wie einen Linkslenker, wobei auch der Versicherungsbeitrag der gleiche sein dürfte. Denn auch wenn Rechtslenker im Rechtsverkehr zunächst ungewohnt sein mögen, ergibt sich aus ihnen nachweislich kein höheres Verkehrsrisiko.

 

Zusammenfassung

Rechtslenker dürfen in Deutschland (und anderen EU-Staaten) gekauft, zugelassen und gefahren werden. Eine Pflicht zur Umrüstung eines Rechtslenkers auf einen Linkslenker besteht nicht und ist vor allem nicht mit dem Recht der Europäischen Union vereinbar. Auch versicherungstechnisch ergeben sich im Regelfall keine Unterschiede zu den in Deutschland in der überwiegenden Mehrheit verbreiteten Linkslenkern. Wenn Sie also beispielsweise einen Oldtimer mit Rechtslenkung in England kaufen, dürfen Sie auch in Deutschland mit der Rechtslenkung jederzeit fahren!

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